4 Übungen aus der Visionsarbeit, die bei mir nicht funktioniert haben, aber vielleicht bei dir?

(Serie: Vision finden & leben – Teil 2. Hier geht es zu Teil 1.)

Ich habe schon unzählige Übungen ausprobiert, um meine Vision zu finden. In meinem Fall, um meine Positionierung zu schärfen und an meinem Business-Fundament zu arbeiten. Manche der Methoden waren hilfreich – andere haben mich eher frustriert. Aber genau diese „Fehlversuche“ könnten für dich die entscheidende Abkürzung sein.

Visionsarbeit ist sehr individuell. Schließlich hat fast jeder Mensch eine andere Vision für sich, auch wenn es natürlich Ähnlichkeiten gibt. Was für mich gar nicht funktioniert hat, kann für dich also genau der richtige Ansatz sein. Deine Persönlichkeit, dein aktuelles Lebensumfeld und sogar deine Tagesform beeinflussen, ob eine Methode gerade passt.

Für manche Übungen fehlen einem die Informationen, bei anderen kann man sich nicht wirklich einfühlen und wieder andere machen einem einfach ein komisches Gefühl. Zum Glück gibt es genug Methoden, sodass irgendeine schon funktionieren wird.

Deswegen stelle ich dir hier 4 Übungen vor, um deiner Vision auf den Grund zu gehen, die bei mir zwar nicht gezündet haben – und erkläre dir, warum sie trotzdem wertvoll sein können.


So funktioniert die Übung:
Frage dich (oder Eltern und Geschwister, wenn möglich):

  • Womit hast du dich als Kind stundenlang beschäftigt?
  • Was hat dich begeistert?
  • Woran hast du nie das Interesse verloren?

Warum es wirkt:
Kindheitserlebnisse sind oft frei von äußeren Erwartungen. Sie zeigen, was uns ursprünglich Freude gemacht hat und womi wir uns ganz freiwillig stundenlang beschäftigt haben.

Kinder sind Entdecker – ausgestattet mit Neugierde und Forschergeist, der sie dazu befähigt, sich gemäß ihrer individuellen Ressourcen und Möglichkeiten ihre Welt anzueignen. 

Prof. Dr. Tanja Pütz in „Kindheit ist der Beginn eines Lebensweges“

Warum sie bei mir nicht passte:
Ich habe als Kind am liebsten gelesen. Schön und gut – aber das half mir nicht wirklich, meine Vision im Hier und Jetzt zu finden. Es gab bestimmt noch mehr Dinge, doch ich erinnere mich nicht wirklich gut an meine Kindheit. Ich für meinen Teil konnte hier keine wertvollen Informationen für meine heutige Version gewinnen.

👉 Dein Mitmach-Moment:
Schreib dir auf: Welche Kindheitsinteressen lassen sich als roter Faden in dein heutiges Leben übersetzen?

So funktioniert die Übung:
Stell dir vor, du bist 90 Jahre alt und blickst von einem Schaukelstuhl auf dein Leben zurück.
Frage dich:

  • Worauf bin ich stolz?
  • Was bereue ich?
  • Welchen Rat würde ich meinem jüngeren Ich geben?

Diese Übung kann sehr kraftvoll sein, deswegen lasse ich dir mal zwei Beispiele hier, damit du dir das besser vorstellen kannst (dafür einfach aufklappen und vorne auf das Dreieck klicken):

Beispiel 1: Anna, 38 Jahre, angestellt, zwei Kinder, möchte Führungskraft werden

Anna nimmt sich einen ruhigen Abend, setzt sich mit einer Tasse Tee hin und macht die Schaukelstuhl-Übung. Sie schließt die Augen und stellt sich vor, 90 Jahre alt zu sein.

  • Stolz: „Ich habe gezeigt, dass Familie und Karriere vereinbar sind. Meine Kinder haben gesehen, dass man beruflich wachsen kann, ohne sich selbst zu verlieren.“
  • Bereuen: „Ich habe zu lange gewartet, bevor ich den Schritt zur Führungskraft gegangen bin.“
  • Erfüllt: „Die kleinen Momente: Kolleginnen, die sagten du hast mir Mut gemacht, Abende mit meiner Familie, inspirierende Vorträge.“
  • Rat an mein jüngeres Ich: „Hab weniger Angst vor Imperfektion. Frag dich nicht, ob du darfst – frag dich, ob du willst.“

👉 Kernaussage: Annas Vision ist nicht nur „Führungskraft werden“, sondern Sinn stiften UND ein erfülltes Familienleben führen.

Anm.: KI-generiertes Beispiel, da ich hier keine echten Kundenbeispiele teilen wollen würde.

Beispiel 2: Markus, 42 Jahre, IT-Consultant, will sich selbstständig machen
  • Stolz: „Ich hatte den Mut, meine eigene Beratungsfirma aufzubauen – klein, aber dafür wirksam.“
  • Bereuen: „Ich habe zu lange im Sicherheitsdenken verharrt, anstatt früher in kleinen Schritten zu starten.“
  • Erfüllt: „Die Freiheit, selbst zu entscheiden, wann und wie ich arbeite. Reisen mit der Familie, persönliche Handschrift in Projekten. Das Gefühl der eigene Chef zu sein.“
  • Rat an mein jüngeres Ich: „Mach dich nicht klein. Fang klein an, teste, lerne – Freude ist wichtiger als Sicherheit.“

👉 Kernaussage: Markus’ Vision ist nicht einfach „weg vom Angestelltsein“, sondern hin zu Selbstbestimmung und Wirkung.

Anm.: KI-generiertes Beispiel, da ich hier keine echten Kundenbeispiele teilen wollen würde.

Warum sie wirkt:
Die Psychologie nennt das „temporale Selbstkontinuität“: Je klarer du dein zukünftiges Ich sehen kannst, desto bessere Entscheidungen triffst du im Jetzt. Die Verknüpfung zwischen der Zukunft und dem Hier und Jetzt fällt dir also leichter.

Warum sie bei mir nicht passte:
Ich konnte mir mit Anfang 30 einfach nicht vorstellen, wie ich mit 90 zurückblicke. Die Übung hat mich überfordert. Es gab zu viele Unklarheiten, sonst wäre ich ja wohl kaum auf der Suche nach meiner Vision gewesen. Ich finde, diese Übung ist erst sinnvoll, wenn deine Vision schon recht klar ist. Dann kann diese Übung deine Vision noch mehr zu Leben erwecken.

Es geht für mich in dieser Übung sehr viel darum, was getan, erreicht und erlebt werden müsste, um am Ende in dem Schaukelstuhl zu sitzen und zufrieden sagen zu können: Ich habe mein Bestes gegeben, um meine Vision wahr werden zu lassen.

👉 Dein Mitmach-Moment:
Falls dir die Übung schwerfällt: Fang kleiner an. Stell dir dein 50-jähriges Ich vor. Oder gehe nur 10 Jahre in die Zukunft.

So funktioniert die Übung:
Stell dir deine Geburtstagsfeier vor, aber nicht die nächste, sondern die zu deinem 80-sten. Familie, Freunde, Kollegen und Bekannte halten Reden über dich:

  • Welche Eigenschaften werden hervorgehoben?
  • Was hast du bewegt?
  • An welche Erlebnisse mitdir wird sich erinnert?
  • Welches Vermächtnis hinterlässt du?
Beispiel: Julia, 45, Projektmanagerin in einem Konzern, Mutter eines Sohnes.
  • Rede ihres besten Freundes: „Julia war diejenige, die nie wegsah, wenn jemand Hilfe brauchte. Sie hat vielen Menschen in schwierigen Lebensphasen zur Seite gestanden.“
  • Rede ihres Chefs: „Julia war nicht nur fachlich stark, sondern vor allem menschlich. Sie hat ein Umfeld geschaffen, in dem Menschen sich entwickeln konnten.“
  • Rede ihres Sohnes: „Meine Mutter hat mir gezeigt, dass man stark und liebevoll zugleich sein kann. Sie war immer da, wenn es wichtig war.“

👉 Kernaussage: Julia erkennt, dass ihre Vision nicht „Karriere um jeden Preis“ ist, sondern Menschen begleiten, fördern und ihnen Sicherheit geben – beruflich wie privat.

Anm.: KI-generiertes Beispiel, da ich hier keine echten Kundenbeispiele teilen wollen würde.

Warum sie wirkt:
Die Übung hilft dir, über deine Werte und deinen Einfluss auf andere nachzudenken. Darüber, was deine Handlungen jeden Tag für eine Wirkung hinterlassen. Darüber, was über dich erzählt und erinnert wird.

Warum sie bei mir nicht passte:
Ich habe mich innerlich gesperrt – zu viel „Fremdblick“ statt eigener Perspektive. Woher soll ich wissen, was andere über mich denken und fühlen? Zumal ich leider auch nicht das Beste Bild über mich und meine Eigenschaften hatte. Heute, mit mehr Selbstreflexion, könnte sie besser funktionieren.

👉 Dein Mitmach-Moment:
Schreib die Reden selbst – so emotional wie möglich. Lies sie dir laut vor. Wie fühlt es sich an? Fang mit der an, die dir am leichtesten fällt. Was würden deine Kinder sagen? Dein Team? Extra-Tipp: Mache dir Übung mit jemanden zusammen, denn zu zweit geht es immer leichter.

Design von Canva Creative Studio (Vorlage)

So funktioniert die Übung:

  • Sammle Bilder, Zitate und Symbole für deine Zukunft (1 Jahr, 10 Jahre oder noch mehr).
  • Klebe oder pinne sie auf ein Board.
  • Platziere es sichtbar, um dich täglich zu erinnern.

Warum sie wirkt:
Visuelle Reize aktivieren im Gehirn das sogenannte RAS-System (retikuläres Aktivierungssystem) – es filtert, was uns auffällt und relevant erscheint. Außerdem soll es helfen, unterbewusst diese Ziele dann konsequenter zu verfolgen und Gelegenheiten dies zu tun eher wahrzunehmen, weil wir uns diese Zukunft lebhaft ausgemalt haben und nun auch erreichen wollen.

Warum sie bei mir nicht passte:
Für mich war ein Visionboard eher ein „Ziele-Board“. Meine große Vision ließ sich nicht in ein paar Bilder fassen. Außerdem haben sich die Dinge, die ich erreichen wollte oft geändert, was immer etwas demotivierend war. Ich hatte schon beim Gestalten (egal ob digital oder analog) immer das Gefühl, dass es so nicht erreichen zu können, weil man nie weiß, was die Zukunft bringt.

Hinzu kommt, wenn man das in analog mit Papier und Bastelmaterialien macht, muss man erstmal die richtigen Bilder finden, ein Magazin kaufen und die Erwartungen waren bei mir recht hoch, dass es dann auch ästhetisch aussehen muss. Ich hatte mir auch mal das Vision Board Set von Lebenskompass geholt, es war wunderschön, ich hab es nie benutzt und letzendlich verschenkt.

👉 Dein Mitmach-Moment:
Probiere es trotzdem aus – aber betrachte es dann vielleicht rückwärts, umetwas über deine Vision zu erfahren: Welche Muster wiederholen sich? Genau dort versteckt sich ein Hinweis auf deine Vision. Die Vorlagen bei Canva sind eine schöne Inspiration oder auch eine Google-Bildersuche.

  • Kindheitserinnerungen
  • Schaukelstuhl-Übung
  • Laudatio am 80. Geburtstag
  • Vision-Board
✏️ Schreib dir zu jeder ausprobierten Übung ein Stichwort-Ergebnis auf – auch wenn es unvollständig ist. Aus diesen Puzzleteilen kann sich dein Bild von der Vision entwickeln.

Im nächsten Artikel stelle ich dir 2 Übungen vor, die bei mir wirklich gezündet haben – und mein Leben komplett verändert haben:
👉 „Der ideale Tag“
👉 „Das Paralleluniversum“

Ideenreiche Grüße
Antonia @frauidee

Antonia Ludwig Illustration mit gelben Hoodie und Glühbirne mit Gehirnstrukturen.

2 Gedanken zu „4 Übungen aus der Visionsarbeit, die bei mir nicht funktioniert haben, aber vielleicht bei dir?“

  1. Liebe Antonia,

    dein Beitrag zeigt wunderbar, dass Visionsarbeit individuell ist – nicht jede Übung passt für jede Person. Gerade das Ausprobieren hilft, Klarheit zu finden, auch wenn etwas nicht funktioniert. Besonders die Schaukelstuhl-Übung fand ich für mich persönlich bereichernd, weil sie den Blick auf das „zukünftige Ich“ öffnet.

    Danke für deine Offenheit – sie macht Mut, den eigenen Weg zu gehen.

    Viele Grüße
    Anja

    1. Hi Anja,

      Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast für ein Kommentar. Ich glaube es kommt auch ganz darauf an, wo man selbst mit seiner Visionsarbeit gerade steht, welche Übungen dann funktionieren können, aber auch nicht müssen. Brechen wir eine weitere Lanze fürs Ausprobieren, das kann frau gar nicht oft genug machen.

      Viele Grüße zurück
      Antonia

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