Job Crafting… das kennt doch keiner. Mir doch egal, dann ändere ich das!

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade „Welche mutige Entscheidung hat dein Business vorangebracht?“ von Hilke Barenthien.

Ich habe mich mal Anti-Verzetteln-Coach genannt.

Das war nicht als Witz gemeint. Ich habe wirklich eine Weile mit diesem Begriff durch mein Marketing manövriert, weil er wenigstens irgendwie greifbar klang und er oft genannt wurde, wenn ich meine Zielgruppe interviewt habe. Verständlicher als das, was eigentlich dahintersteckte. Vor vier Jahren (im August 2022) habe ich mich selbstständig gemacht, und seitdem drehe ich in schöner Regelmäßigkeit Kreise um dieselbe Frage: Wie nenne ich das, was ich mache?

Ich habe es Produktivitätscoaching genannt. Systemisches Coaching. Mal breiter gefasst, mal enger. Ich habe auf LinkedIn, YouTube und Instagram unzählige Anläufe genommen, mein Thema zu erklären, und jedes Mal bin ich um denselben Kern herumgeeiert. Mal nannte ich es beim Namen und mal nicht. Ein Hin und Her, sage ich dir.

Dabei kam ich in der Positionierung immer wieder an denselben Punkt: Arbeit passend gestalten. Nicht wir sollen uns an die Arbeit anpassen, sondern die Arbeit an uns – überall, wo das geht. Das ist, was Job Crafting im Kern beschreibt. Nur kannte den Begriff kaum jemand.

Der Punkt, an dem es mir egal wurde

Eine mutige Entscheidung fühlt sich im Rückblick oft belangloser an, als sie war. Bei mir gab es keinen einzelnen Moment, kein Schlüsselerlebnis, das ich hier dramaturgisch aufbauen könnte. Es war eher so nebenbei.

Ich hatte das, was ich beruflich mache, so oft umschrieben, umformuliert, in verständlichere Worte gepackt, dass ich irgendwann keine Lust mehr hatte, drumherum zu reden. Im Branding-Prozess mit Sabrina in 2022 wurde dann noch einmal deutlich, was ich eigentlich schon lange wusste: Job Crafting ist neben Instructional Design die zweite tragende Säule meines Business. Nicht Produktivität, Psychologie oder Ideenvielfalt, der Kern war und blieb immer: Job Crafting.

Und dann habe ich beschlossen: Ist mir egal, dass der Begriff (noch) unbekannt ist. Das ist mein Bereich. Dann sorge ich eben dafür, dass man ihn kennt. So!

Das war die eigentlich mutige Entscheidung. Nicht ein neues Angebot, keine spektakuläre Wende. Sondern aufzuhören, mich für ein unbekanntes Wort zu entschuldigen, bevor ich es überhaupt ausgesprochen habe.

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Was ich bewusst nicht verändert habe

Interessant finde ich im Rückblick, was ich dabei nicht getan habe. Ich habe meinen Blog nicht umbenannt. Meinen Podcast auch nicht. „Deine Ideen. Deine Regeln.“ als Slogan blieb, wie es ist. Die Entscheidung betraf den Inhalt, nicht die Form. Ich wollte für Job Crafting einstehen, ohne meine Marke einem einzelnen Fachbegriff unterzuordnen. Das fühlt sich für mich stimmiger an als die Alles-oder-nichts-Variante, bei der man entweder ganz auf ein Thema umsattelt oder es lässt.

Genau das würde ich rückblickend auch anderen mitgeben: Mut muss nicht heißen, alles über den Haufen zu werfen. Manchmal reicht es, an einer einzigen Stelle für sich klarer zu werden und den Rest so zu lassen, wie es sich richtig anfühlt.

Du willst nicht wissen, wie oft mir geraten wurde und immer noch wird, im Marketing nicht mit Job Crafting rauszugehen, wenn das doch keiner kennt. Aber wie das ist mit den Ratschlägen, nicht alle sind für einen brauchbar. Hier kannst du mehr dazu lesen: Was ich mit gut gemeinten Ratschlägen mache.

Vier Jahre später

Diese Woche kam eine Anfrage von der Uni Braunschweig. Sie haben mich über meine Website gefunden, direkt zum Thema Job Crafting. Sowas, das kennt doch keiner. 😁 Kein Umweg, keine Erklärung nötig, kein „meinen Sie vielleicht…“ Sie wussten, was sie suchten, und sie haben es bei mir gefunden, weil ich schon länger darüber spreche, schreibe und sichtbar bin. Ich kann nicht leugnen, dass mich hier eine diebische Freude überkommt.

Das ist für mich der eigentliche Beweis, dass sich die Entscheidung nicht nur richtig angefühlt hat, sondern auch wirtschaftlich und marketingtechnisch gelohnt hat. Nicht die eine große Anfrage selbst, sondern das Gefühl, das dahintersteht:

Ich kann inzwischen überall rausgehen, ohne um mein eigenes Thema herumzureden. Vier Jahre Selbstständigkeit haben mir vor allem das beigebracht: Die mutigste Entscheidung ist selten die, für die es sofort Konfetti regnet oder Preise gibt. Es ist die, bei der man aufhört, sich kleiner zu machen, als das Thema ist, für das man eigentlich steht. Es ist die, die gegen den Strom schwimmt und gängige Praktiken in den Wind schlägt. Die, die man macht auch mit der Angst, dass man sich irrt und es schief geht.

Du willst dich von noch mehr mutigen Entscheidungen im Business inspirieren lassen:

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade „Welche mutige Entscheidung hat dein Business vorangebracht?“ von Hilke Barenthien.

Ideenreiche Grüße
Antonia

Illustration von ‚Frau Idee‘: Eine stilisierte Person mit Brille und gelbem Pullover steht seitlich und zeigt auf eine große leuchtende Glühbirne, in der ein abstrahiertes Gehirn dargestellt ist.

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Nicht noch ein Produktivitätsratgeber...

 Doch! Und zwar darüber warum die übliche „Tu-Dies-lass-Jenes“-Literatur bei mir mehrfach wirkungslos verpufft ist.

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