Mein Beitrag zu meiner Blogparade „Ratschläge für die Tonne“.
Wenn ich ein neues Rezept ausprobiere, halte ich mich beim ersten Mal genau an die Anleitung. Nicht weil ich keine eigenen Ideen habe, sondern weil ich erst verstehen will, wie es gedacht ist (und vielleicht lerne ich ja was Neues) bevor ich anfange, es umzuschreiben. Beim zweiten Mal passe ich an. Zu viel Knoblauch. Weniger Zucker. Andere Konsistenz. Denn ein Rezept ist auch immer nur ein gut gemeinter Ratschlag, wie man dieses Gericht kochen könnte. 😜
Genauso halte ich es mit Ratschlägen. Einmal durchziehen. Ehrlich hinschauen, was passiert. Und dann, und das ist der entscheidende Schritt, nicht einfach weitermachen wie bisher, sondern anpassen. Oder ganz weglassen. Je nachdem.
Das klingt banal. Ist es aber nicht. Denn die meisten Ratschläge werden nicht so gemeint, dass man sie einmal testet und dann eigenverantwortlich entscheidet. Sie werden gemeint wie Naturgesetze. Regelmäßig posten. Wochenpläne machen. Kein Multitasking. Wer es nicht schafft, hat schlicht nicht genug Disziplin.
Hier sind drei (von sehr vielen) Ratschläge, die ich ausprobiert habe und was ich stattdessen herausgefunden habe, was für mich funktioniert.

Der Wochenplan: Struktur, die mich strukturiert hat — im falschen Sinne
Es gibt kaum eine Methode, die ich häufiger ausprobiert habe als den Wochenplan. Und jedes Mal bin ich gescheitert, meistens spätestens beim zweiten geplanten Block.
Das Muster war immer dasselbe: Ich setze mich hin, der Kalender sieht hübsch aus, farbcodiert, mit passenden Emojis, extra realistisch, genug Puffer und sogar Me-Time eingeplant. Dieses Mal wird es klappen. Und dann durchkreuzt irgendetwas den Plan, manch einer nennt es Leben. Und dann kommt er, dieser vertraute innere Kommentar: Schon wieder nicht geschafft. Nicht mal genug Disziplin für meinen eigenen Plan.
Dabei war das Problem nicht die Disziplin. Das Problem war das Gefühl, das der Plan mit sich brachte: Ich muss wie geplant funktionieren. Und das Warten auf den Moment, in dem ich es nicht mehr tue, weil der kommt eben immer.
Irgendwann habe ich aufgehört mit Wochenplänen, so gern ich sie mache. Weil ich aufgehört habe zu hoffen, dass diese Methode auf wundersame Weise irgendwann doch noch für mich funktionieren wird. Wird sie nicht. Und jetzt bin frei herauszufinden, wie denn für mich funktionieren kann.
Was stattdessen für mich funktioniert:
- Ankerpunkte statt Stundenplan. Fixpunkte im Tag, die mir Sicherheit geben und alles andere darf sich flexibel darum bewegen. Die eine Woche ist der Ankerpunkt, dass ich meditiere bevor ich anfange. Die andere, dass ich 15 Minuten spazieren gehe. Kein festes Programm, kein Block im Kalender aber eine Orientierung.
- Und eine Logik, die ich viel hilfreicher finde als feste Uhrzeiten: Wenn/Dann. Wenn meine Energie hoch ist, dann plane ich voraus. Wenn meine Konzentration weg ist, dann bearbeite ich noch zehn E-Mails, bevor ich eine Pause mache. Keine Erziehung zum vermeintlich erwachsenen Verhalten, mit bewundernswerter Strukturiertheit und Fokus. Sondern Strukturen, die mich unterstützen und dass in möglichst vielen unterschiedlichen Lebenslagen.

„Poste regelmäßig“: Der nutzloseste Ratschlag ohne das individuelle Wie
Welcher Ratschlag mir am Anfang meiner Selbstständigkeit wirklich geholfen hätte. Nicht: Du musst regelmäßig (am besten jeden Tag) posten, um sichtbar zu werden.
Sondern: Mach dir die Mühe herauszufinden, unter welchen Bedingungen es dir am ehesten gelingt, jede Woche mindestens einmal Content zu posten.
Kleiner, aber feiner Unterschied.
Ich habe nicht einfach angefangen, regelmäßig Content zu machen, sei es Blog, Instagram oder Newsletter… eher das Gegenteil. Es ist immer noch meine größte Herausforderung wirklich regelmäßig und das für länger als ein paar Monate den gleichen Content-Kanal zu bedienen. Es klappt immer besser.
Ich habe herausgefunden, dass ich den Schreibclub von Rebekka Behrendt, das virtuelle Büro bei den Mompreneurs und themenbezogene Co-Workings ab und zu als Booster brauche: andere Menschen im Raum, jeder an seinem eigenen Ding. Dass Freitag, ein guter Tag für den Newsletter ist, nicht Montag oder Mittwoch. Dass ein echter, unfertig-gedachter Gedanke besser funktioniert als ein ausgefeilter, langfristiger Redaktionsplan. Dass ich keinen Anlass brauche, sondern eine Verabredung.
Das sind meine Bedingungen. Die hat mir niemand vorgegeben. Die habe ich mir jahrelang erarbeitet: durch Ausprobieren, Scheitern und immer wieder hinschauen, wann es geklappt hat und wann nicht. Durch immer wieder neue Versuche und Experimente starten.
Ich verschicke inzwischen zum achten Mal in Folge meinen wöchentlichen Newsletter. Das habe ich noch nie geschafft. Nicht weil ich auf einmal disziplinierter geworden wäre. Sondern weil ich aufgehört habe, gegen meine eigenen Bedingungen zu arbeiten und immer mehr verstehe, wie solche Dinge für mich funktionieren können.
„Poste regelmäßig“ ist übrigens immer noch überall ein gern gegebener Ratschlag. Und immer noch der nutzloseste ohne das individuelle Wie, meiner Meinung nach.
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Kein Multitasking und doch brauche ich manchmal genau das
Dieser Ratschlag hat eine solide wissenschaftliche Grundlage, das sage ich als Psychologin gerne dazu. Der ständige Wechsel zwischen Aufgaben kostet kognitive Ressourcen, das ist gut belegt. Hier habe ich mehr dazu geschrieben: 5 Ursachen von Verzetteln inkl. Gegenmaßnahmen
Aber der Ratschlag meint meistens nicht echtes Multitasking. Er meint: Mach immer nur eine Sache. Und das funktioniert für mich nicht. Zumindest nicht immer. Halte deinen Fokus aufrecht und vermeide Multitasking, ist wie viele Ratschläge zu allgemein formuliert.
Doch entgegen der, in der Tat wissenschaftlich belegten Tatsache, dass die Aufmerksamkeit zu wechseln kostet… Manchmal brauche ich das Hin-und-her-Hüpfen zwischen Aufgaben, um überhaupt genug stimuliert zu sein, um zu arbeiten.
Vor allem bei langweiligeren, repetitiven Aufgaben. Buchhaltung zum Beispiel. Die mache ich am besten im Co-Working mit offenem Mikro, mit einer Business-Kollegin im Gespräch nebenbei. Multitasking vom feinsten. Doch hier nicht mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, würde mich mehr kosten, als das Wechseln der Aufmerksamkeit mich kostet. Ich würde meine Buchhaltung immer nur alle paar Monate machen, das kostet wesentlich mehr Zeit.
Das ist kein Versagen gegenüber dem Ratschlag. Das ist meine persönliche Wenn-dann-Logik: Wenn Buchhaltung, dann mit Gesellschaft.

Was bleibt von den gute gemeinten Ratschlägen?
Ratschläge sind Rezepte. Sie kommen von jemandem, der sie für sich getestet hat — oder von jemandem, der sie weitergegeben hat, ohne sie je selbst anpassen zu müssen.
Einmal ausprobieren lohnt sich fast immer. Wirklich hinschauen, was passiert. Und dann: anpassen. Oder weglassen. Nicht weil du zu wenig Disziplin hast, um den Tipp „durchzuziehen“. Sondern weil du anders funktionieren darfst, als die Person, die dir den Ratschlag gegeben hat. Das gilt auch, wenn der Tipp für 100 Menschen funktioniert und du die 101. Person bist, für die das eben nicht gilt. Sprich auch die Bestseller dieser Welt haben nicht automatisch Recht. Vor allem, wenn sie zu weit weg von deiner Lebensrealität existieren.
👉 Mach doch mit: Welcher Ratschlag war bei dir für die Tonne?
Dieser Artikel ist mein eigener Beitrag zu meiner Blogparade, die ich am 23.06.2026 gestartet habe. Das Thema: Ratschläge für die Tonne: Welcher gut gemeinte Tipp hat dir nicht geholfen und was stattdessen wirklich für dich funktioniert.
Ich bin neugierig auf deine Geschichte. 💛 Ob aus dem Bereich Produktivität, Business, Gesundheit, Elternschaft oder irgendetwas ganz anderem.
Alle Infos zur Teilnahme findest du hier: Ratschläge für die Tonne
Ideenreiche Grüße
Antonia



